Der Mond ist aufgegangen

Musik: Johann Abraham Peter Schulz (1747-1800)
Text: Matthias Claudius (1740-1815)




  1. Der Mond ist aufgegangen
    die gold'nen Sternlein prangen,
    am Himmel hell und klar;
    der Wald steht schwarz und schweiget,
    und aus den Wiesen steiget
    der weiße Nebel wunderbar.

  2. Wie ist die Welt so stille
    und in der Dämmerung Hülle
    so traulich und so hold
    gleich einer stillen Kammer,
    wo ihr des Tages Jammer
    verschlafen und vergessen sollt.

  3. Seht ihr den Mond dort stehen,
    er ist nur halb zu sehen
    und ist doch rund und schön.
    So sind wohl manche Sachen,
    die wir getrost verlachen,
    weil unsere Augen sie nicht seh'n.

  4. Wir stolzen Menschenkinder
    sind eitel arme Sünder
    und wissen gar nicht viel.
    Wir spinnen Luftgespinste
    und suchen viele Künste
    und kommen weiter von dem Ziel.

  5. Gott, lass dein Heil uns schauen,
    auf nichts Vergänglich's trauen,
    nicht Eitelkeit uns freu'n!
    Lass uns einfältig werden
    und vor dir hier auf Erden
    wie Kinder fromm und fröhlich sein!

  6. Wollst endlich sonder Grämen
    aus dieser Welt uns nehmen
    durch einen sanften Tod!
    Und wenn du uns genommen,
    lass uns in'n Himmel kommen,
    du unser Herr und unser Gott!

  7. So legt euch denn, ihr Brüder,
    in Gottes Namen nieder,
    kalt ist der Abendhauch.
    Verschon' uns, Gott, die Strafen
    und lass uns ruhig schlafen
    und unser'n kranken Nachbarn auch.

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